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Vor der Morgenröte

Josef Hader als Stefan Zweig in Amerika

Er war Starautor, radikaler Pazifist und Kosmopolit, der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig. Maria Schrader erzählt episodisch aus seinem Leben in der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs. In Rio de Janeiro wird er 1936 gefeiert, als er sich einige Wochen später auf dem Schriftstellerkongress in Buenos Aires weigert, Stellung gegen Hitler-Deutschland zu nehmen, stösst das bei den Intellektuellen auf Irritation.

Aber Zweig, hält nichts davon, ohne Risiko im Ausland den Helden zu markieren und lehnt Gedenkminuten für verfolgte Künstler als geltungssüchtig ab. Die Stationen sind nach Rio und Buenos Aires, New York, wo er mit seiner zweiten Frau Lotte seine erste lebenstüchtige Frau Friderike trifft, die ebenfalls flüchten musste. Beide Frauen unterstützen ihn bei seinen Plänen zu einem Brasilienbuch und dem biografischen Werk »Die Welt von Gestern«. Im brasilianischen Petropolis, einem »tropischen Semmering« hofft er Frieden zu finden, schreibt die berühmte »Schachnovelle«. Im Februar 1942 begeht er mit seiner Frau Selbstmord.

Es ist die dramatische Geschichte eines Flüchtlings, eines heimatlosen Menschen, der in der Fremde keine neue Heimat finden konnte, dem die Bibliotheken Europas fehlten und der freie Austausch mit anderen Schriftstellern, einem von seinen kulturellen Wurzeln abgeschnittenen Verzweifelten. Manchmal etwas spröde inszeniert, entwickelt das Drama dennoch eine emotionale Intensität, für die vor allem der österreichische Kabarettist Josef Hader sorgt, der den Sprung vom sarkastischen Kult-Kommissar Brenner zum sensiblen und in sich zerrissenen Schriftsteller Zweig souverän schafft, sich zurück nimmt und von einer ganz neuen formidablen Seite zeigt.
Margret Köhler

Vor der Morgenröte Deutschland/Frankreich/Österreich 2016
Regie: Maria Schrader
Mit Josef Hader, Barbara Sukowa, Aenne Schwarz
Zu sehen ab 2. Juni im Programmkino Ost und in der Schauburg.
www.vordermorgenroete.x-verleih.de