Frühstück bei Monsieur Henri

Die Annäherung zwischen zwei Menschen

Eine Schildkröte ist ihm lieber als eine Untermieterin. Monsieur Henri ist ein Eigenbrötler und als die junge Studentin Constance vor seiner Tür steht, haut er selbige erst einmal zu. Zähneknirschend nimmt er sie dann doch auf, weil sein Sohn sie ihm auf den Hals geschickt hat, da es ihm gesundheitlich nicht so gut geht. Constance bietet ihm Paroli, auch wenn er schimpft, weil sie seine Pantoffeln klaut oder Klavier spielt. Er will ihr die Miete für ein halbes Jahr erlassen, wenn sie seinen Sohn anflirtet, damit der seine Frau verlässt, die der Alte nicht ausstehen kann. Ein Deal, auf den sich Constance nur widerwillig einlässt. Das familiäre Chaos lässt nicht auf sich warten. Natürlich hat der Griesgram einen Panzer, unter dem ein gutes Herz schlägt, so motiviert er das Mädchen, ihren Weg als Pianistin nicht aufzugeben, sondern hart an der Prüfung an einer Musikschule in London zu arbeiten.

Die Annäherung zwischen zwei Menschen, der eine am Ende seines Lebens, die andere am Anfang, ist brillant inszeniert, Regisseur Ivan Calbérac mixt in seinem eigenen für die Leinwand adaptierten Theaterstück Tragik und Humor zu einem Potpourri der guten Laune, bei dem einem alle ans Herz wachsen, der Griesgram, der unter seiner Fuchtel stehende Sohn und sogar dessen spießige Gattin und natürlich die junge Frau, die lernen muss, über ihren Schatten der Angst zu springen. Die Besetzung ist vom Feinsten. Neben dem routinierten Schwergewicht Claude Brasseur macht die in Paris lebende Schweizerin Noémie Schmidt eine bella figura mit ihrem strahlenden Lächeln und ihrem natürlichem Charme. Eine große Karriere ist ihr sicher.
Margret Köhler

Frühstück bei Monsieur Henri Frankreich 2016, Regie: Ivana Calbèrac
Mit Claude BrasseurGuillaume De TonquédecNoémie Schmidt
Ab 21. Juli Programmkino Ost, Schauburg, UFA-Palast
www.fruehstueck-bei-monsieur-henri.de