FilmTraffic – Macht des Kartells voraussichtlich Schauburg, UFA, UCI, Bofimax (Bundesstart 5.4.) 15 Minuten Ruhm Deutschland 2001 · Regie: Michael Klier Zehn Jahre dauerte es, bis Michael Klier nach »Ostkreuz« seinen nächsten Spielfilm drehen konnte. Zeichen dafür, dass in Deutschland talentierte Regisseure nicht gerade gehegt und gepflegt werden. »Heidi M.« ist ein kleiner, unprätentiöser Film mit großem Wahrheitsgehalt, das sensibel inszenierte Psychoporträt einer Frau, die den Boden unter den Füßen verloren hat und erst einmal zu sich selbst finden muss, bevor sie ihr Glück findet. Das Leben tut weh. Die 19-jährige Tochter geht für ein Jahr nach Australien, der Ex-Mann wird gerade mit einer Jüngeren Vater. Heidi, gelernte Elektroinstallateurin, spürt die Leere nicht nur in der Wohnung, sondern auch im Herzen. Seit der Wende hält sie sich mit einem kleinen Laden über Wasser, ein nachbarlicher Treffpunkt, wo sich die unterschiedlichsten Gestalten die Klinke in die Hand geben – die Ärztin, die mal schnell auf einen Kaffee vorbeikommt, ein Kneipenbesitzer, der ständig anschreiben lässt, eine zerstreute Oma, die sich die immer gleichen Videos ausleiht. Und dann taucht ein Fremder auf, der jüngere Flugzeug-Elektroniker Franz. Die beiden verwundeten Seelen nähern sich an, doch zu viel Nähe kann Heidi noch nicht ertragen, zu tief brennt noch die Enttäuschung. Dennoch – ein Fünkchen Hoffnung bleibt für die beiden. Klier, der seine Jugend in Dresden verbrachte, erzählt von Menschen in Berlin und einer Stadt im Umbruch, von psychischen Umbruchsituationen, von der Schwierigkeit, loszulassen und sich von schmerzhaften Erinnerungen zu lösen. Dabei wird er unterstützt von Kamerafrau Sophie Maintigneux und einem exzellenten Schauspielensemble von Franziska Troegner über Ulrike Krumbiegel bis Dominique Horwitz. Einfach grandios: Katrin Saß als starke und verletzbare Heidi M. an der Endstation namens Sehnsucht. Ihr Blick und ihr Gesicht sprechen Bände. Margret Köhler voraussichtlich Schauburg (Bundesstart 29.3.) ZusammenSchweden 2001 · Regie: Lukas Moodyson Mit »Raus aus Amal«, seinem Debüt, hat Lukas Moodyson einen überaus überzeugenden Teenie-Film abgeliefert. Nun machte sich der smarte Schwede an die Tücken und Freuden des Wohngemeinschaftslebens – und bekam beim Filmfest von Venedig stehende Ovationen dafür. Wir schreiben das Jahr 1975, in Spanien stirbt Franco, im IKEA-Land jubelt die linke WG über den Tod des Faschisten. Allerdings ist auch in der Hippiekommune nicht alles immer ideal: Ärger um den Abwasch (»Spülen ist bürgerlich«), Streit um den Kauf eines Fernsehers sowie diverse Problemchen mit der freien Liebe sorgen für Chaos. Als der freundliche Göran seine vom Gatten verprügelte Schwester samt deren zwei Kindern in die WG bringt, wird dort der Platz zwar knapp, dafür eröffnen sich allerlei neue Konstellationen. Der kleine Tet etwa (benannt nach der Vietnamkrieg-Offensive) bekommt dank seines neuen Kumpels erstmals eine Spielzeugpistole (»Ich bin jetzt Pinochet«) – derweil seine Mutter in dessen Mama ein neues Objekt ihrer lesbischen Begierden entdeckt. Situationskomik samt Wortwitz findet sich reichlich in dieser Tragikomödie. Weil Regisseur Moodyson seine Figuren alle sehr liebevoll zeichnet, wirken die Pointen umso treffsicherer. Auf dümmliche Kalauer hiesiger WG-Klamotten wird souverän verzichtet. Bei allem Spaß kommt aber auch der Ernst des Lebens nicht zu kurz: sei es der prügelnde Ehemann, der hilflos nach Vergebung und einem Ausweg aus seinem Alkoholproblem sucht. Oder jener einsame Mann, dem lediglich der Klempner als Gesprächspartner bleibt. Die Suche nach dem kleinen Glück, die Angst vor Einsamkeit, das Scheitern von Idealen – selten wurden solche Themen so leichtfüßig in Szene gesetzt. Die Ausstattung sorgt für eine perfekte Zeitreise in die Seventies, die fast dokumentarische Kamera erzeugt Realismus ohne aufdringliches »Dogma«-Getue. Auf den gelungenen Schluss kann man sich besonders freuen: Auf solch ein Ende zu den »SOS«-Klängen von ABBA kann Hollywood nur neidisch sein. Dieter Osswald 12.4.-2.5. Programmkino Ost (Bundesstart 12.4.) |